große Seen und hohe Berge – der Lake District National Park

Tag 18 – 20 (01.- 03. August 2017)

Hoochmoor- und Heidelandschaften wie beim Dock Tarn sind typisch für den Lake District National Park

Nach dem Frühstück im Ewich House machen wir uns auf in Richtung Glasgow. Dort werde ich meinen mittlerweile geschiedenen Mann am Flughafen abholen und wir werden die nächsten drei Tage gemeinsam im Lake District in England verbringen. Noch sind wir aber in Schottland und eine größere gemeinsame Tour in den Moffat Hills steht heute auch noch an. Zunächst muss ich aber zum Flughafen. Und ich muss sagen, obwohl ich mich an den Linksverkehr und die zum Teil engen Straßenverhältnisse gewöhnt habe, vor den Metropolen habe ich immer noch gehörig Respekt. Umso schöner, dass ich mir für die 50-Meilen-Strecke Zeit lassen kann. So gibt es kurze Zwischenstopps an den Falls of Falloch und dem Loch Lomond.

Falls of Falloch und Loch Lomond

Nach kurzer Zeit im Auto erreichen wir den Car Park bei den Falls of Falloch. Das Areal beim Wasserfall ist gerade im Sommer ein beliebter Picknickplatz. Heute, mit viel Regen von oben, ist hier allerdings gar nichts los. Ein schöner aber momentan ziemlich schlammig und somit rutschiger Weg führt uns zum Wasserfall. Der River Falloch fällt hier gute 10 Meter über den Fels hinab. Links im Hang gibt es eine Kunstinstallation, von der man auf den Wasserfall blicken kann. Auf dem selben Weg geht es dann zum Auto zurück und weiter Richtung Glasgow.

Da wir immer noch Zeit haben, beschließe ich, auch noch einen Halt am Loch Lomond einzulegen. Mittlerweile regnet es immerhin auch nicht mehr, auch wenn die Regenwolken noch in den nicht weit entfernten Bergflanken hängen. Eine asphaltierte Promenade führt am See entlang. An einigen Stellen gelangt man aber mit ein wenig Kraxelei auch zum kiesigen Strand hinab.

Nach einem kurzen Spaziergang schlendern wir zurück zum Auto und fahren endlich zum Flughafen. Es gibt viel zu erzählen. In den knapp 2 Wochen habe ich viel erlebt. Bevor es aber zur Unterkunft geht, wollen wir heute noch eine gemeinsame Tour machen. Es zieht uns in die schottischen Moffat Hills, wo wir an einem der höchsten Wasserfälle Schottlands, dem 60 Meter hohen Grey Mares Tail wandern wollen.

Grey Mares Tail

Das letzte Stück der Fahrt ab Moffat in Richtung Grey Mare’s Tail Nature Reserve ist wirklich wunderschön. Wir sind begeistert von dem einsamen Tal und den ersten, saftig grünen Bergen der Moffat Hills. Unterhalb des Grey Mares Tail gibt es einen großen Parkplatz, der bei unserer Ankunft auch schon recht gut gefüllt ist. Die meisten Besucher scheint es allerdings zum Fuße des Wasserfalls zu ziehen. Wir jedoch wollen hinauf zum Loch Skeen. Mittlerweile scheint auch die Sonne, so dass wir richtig List haben endlich loszulaufen.

der erste steile Anstieg beim Grey Mares Tail ist geschafft 😉

Auf eine Brücke überqueren wir den Fluss und schlendern an mehreren Informtionstafeln vorbei. Rechts im Hang führt ein schmaler Pfad zunächst recht steil durch ein Feld von Farn bergauf. Schon nach wenigen Metern müssen wir verschnaufen. Der Blick zurück auf das Tal ist jedoch so herrlich, dass das Stehenbleiben und Blickschleifenlassen sofort Glücksgefühle frei setzt.

Auch wenn das erste steile Stück geschafft ist, über alte Steinstufen geht es noch eine ganze Weile kontinuierlich bergauf. Mit jedem Meter kommt der Wasserfall immer mehr zum Vorschein, hat er sich doch am Fuße des Berges weitestgehend zwischen den Bergflanken versteckt. Mit gut 60 Metern Höhe gehört der Grey Mares Tail zu den höchsten Wasserfällen in Schottland. Und was soll ich sagen, die Szenerie ist wirklich atemberaubend schön.

Kaskaden oberhalb des Grey Mares Tail

Unterwegs kommen uns einige, mit unpassendem Schuhwerk ausgerüstete Leute entgegen. Immerhin keine FlipFlops aber Sandalen sind ja auch nicht wirklich besser. Auch wenn der Wanderweg zum Loch Skeen und zurück mit knapp 5 Kilometern nicht unbedingt sehr lang ist, die Hänge am Wasserfall fallen steil hinab und der Pfad verlangt an einigen Stellen Tittsicherheit. Insbesondere an ein paar felsigen Stellen über die kleine Bachläufe in Richtung Wasserfall fließen. Amy und Pluto nutzen die Rinnsale um etwas Wasser zu schlabbern.

Oberhalb des Wasserfalls gibt es noch einige kleinere Kaskaden, in denen sich der Fluss den Weg hinab bahnt. Ab hier folgen wir noch ein ganzes Stück dem sich windenden Flusslauf ohne weitere Höhenmeter zurückzulegen. Unterwegs entdecken wir jede Menge Schafe und einige wilde Ziegen, die in dieser Region leben. Wahnsinn wie trittsicher die Tiere sich in den steilen Hängen bewegen. Die Landschaft hier oben ist wirklich wunderschön, Gräser, Farne und Heidekraut so weit das Auge reicht. Umso mehr genießen wir es, mittlerweile schon länger niemanden getroffen zu haben. Allerdings wird es auch langsam spät und wir müssen den ganzen Weg ja auch wieder absteigen.

Dann erreichen wir den idyllischen Loch Skeen, der von den großen Klippen im Süden von Lochcraig Head und dem felsigen Gebirgszug von Mid Craig umgeben ist. Wer mehr Zeit, und vor allem genug Ausdauer hat, kann von hier über die Gebirgsketten um Loch Skeen herum wandern. Nachdem wir die Szenerie von einem Plätzchen am Wasser ausgiebig genossen haben, geht es für uns über den gleichen Weg wieder hinab in Richtung Car Park. Für den Abstieg benötigen wir deutlich weniger Zeit als für den Aufstieg und so sind wir schon kurze Zeit später am Auto und machen uns auf zu unserer Unterkunft. Das war definitiv eine würdige letzte Tour in Schottland 🙂

The Lodge in the Vale

Am frühen Abend kommen wir in The Lodge in the Vale an, unserer Unterkunft für die nächsten drei Nächte. Von hier, nahe Kewick wollen wir ein paar Touren im Lake District unternehmen. Im Gegensatz zum familiär geführten Ewich House ist das Lodge in the Vale riesig und anonym. Ist natürlich quatsch, fühlt sich aber so an. Unser Zimmer ist recht groß und sauber. Leider liegt das Fenster so hoch, dass uns der Blick auf die umliegenden Hügel verwehrt bleibt. Obwohl das Hotel direkt an der Straße liegt, bekommen wir vom Verkehr nicht wirklich etwas mit. Direkt gegenüber des Hotels liegt eine große eingezäunte Schafweide. Ohne Schafe war die Weide für Amy und Pluto ein genialer Platz zum Toben auf der Abendrunde. Das Frühstück am nächstem Morgen ist gut, jedoch nicht typisch britisch.

Rosthwaite Round, fells, tarn and beck walk

Die Runde bei Rosthwaite habe ich wie so einige andere meiner Touren auf der Seite von National Trust gefunden. Da ich noch einige andere Wege in meinem Ordner hab, fällt die Entscheidung für genau diesen Weg wirklich erst nach dem Frühstück und so geht es auf nach Rostwhaite, das etwa 6 Kilometer südlich von Keswick liegt. Wir parken inmitten des niedlichen Ortes, der direkt am River Derwent liegt.

Vom Parkplatz gehen wir zurück zur Hauptstraße, überqueren diese und gelangen über eine alte Steinbrüche auf den Wanderweg. Wir folgen der Beschilderung nach Watendlath. Wir schlendern entlang einer Steinmauer und wir passieren mehrere Gatter, bevor der Weg merklich ansteigt.

Stetig, aber nicht anspruchsvoll wandern wir langsam den Hügel hinauf. Hinter uns erstreckt sich ein wunderschönes Tal, durchzogen von uralten Mauern zur Weidebegrenzung und eingerahmt von bewaldeten Bergen. Nach einer Weile überqueren wir einen kleinen Bach. Die Bäume werden spärlicher, bevor es dann auf der Hochfläche des Berges nur noch Gras gibt so weit das Auge reicht.

Oben auf dem Berg bleiben wir allerdings nicht lange. Wir überqueren die Kuppe und wandern direkt wieder etwas abwärts in Richtung Watendlath. Nach kurzer Zeit erreichen wir die kleine Siedlung, die am gleichnamigen See liegt. Ich bin total begeistert von der Ruhe die dieser Ort ausstrahlt und ich habe das Gefühl, dass es nicht ehr braucht als eine handvoll alter Steinhäuser und einen See in einem Hochtal um glücklich zu sein. Ich kenne diese Glücksgefühle vom Wandern, aber noch nie habe ich meine Emotionen dabei so stark gespürt wie auf dieser Reise. Glück pur 🙂

Bachüberquerung oberhalb von Watendlath

Oberhalb des Sees, entlang einer Steinmauer folgen wir der Beschilderung in Richtung Dock Tarn. Der Weg wird von einem kleinen Bach begleitet. Wir passieren mehrere Gatter und schlendern gemächlich bergauf. Ein paar Mal kreuzt der Bach den Weg, bis er, oben in der kargen Landschaft des Hochmoors gänzlich auf dem Pfad zu verlaufen scheint. Trockene Füße zu behalten ist echt nicht so leicht. Und dann fängt es auch noch an zu regnen. Trotzdem ist es verdammt schön hier. Nach fast drei Wochen in Großbritannien habe ich gelernt den Regen willkommen zu heißen. Meist hört es genau so schnell wieder auf, wie es angefangen hat. Dafür leuchtet das Grün der Natur nach einem Regenguss ganz besonders schön.

Blick vom Felsen durchsetzten Weg auf Dock Tarn – Wie ihr seht – Es regnet

Kurz bevor wir Dock Tarn erreichen steigt der Pfad merklich an. Wir durchqueren ei Gatter und werden in Serpentinen bergauf geführt. Oben erwartet und eine von Felsen durchsetzte Hochfläche mit einem blühenden Teppich von Heidekraut. Der Pfad ist nur schwer auszumachen und an einigen Stellen aufgrund von Wasser auch nicht gut zu begehen. Eine Gruppe Wanderer sucht wie wir nach einem geeigneten Weg um nicht bis zu den Knöcheln im Wasser zu versinken. Schließlich verläuft der Pfad auf blankem Fels. Der Regen hat den Untergrund so rutschig gemacht, dass wir nur langsam vorankommen. Dann liegt der kleine See endlich vor uns. Dock Tarn ist ein sehr friedliches Plätzchen. Inmitten des Sees liegt eine kleine Insel. Seerosenblätter und Schilf säumt das Ufer. Herrlich 🙂

Willygrass Gill

Wir wandern am Ufer des Sees entlang und halten uns schließlich links. Die Sonne zeigt sich kurz und taucht alles in ein zauberhaftes Licht. Der Weg führt uns ab nun stetig bergab. Neben uns fließt der Willygrass Gill in etlichen Kaskaden ins Tal. Dann fängt es auch schon wieder an zu regnen. Kurz bevor wir den dichten Eichenwald eröffnet sich nochmals ein schöner Blick auf die Kaskaden des Bachs. Im Wald geht es über rutschige Steinstufen steil in Richtung Tal. Das Bremsen geht ganz schön in die Beine und das steile Stück erscheint zwischendurch unendlich lang. Unten angekommen, froh über die ebene Wegführung, gelangen wir entlang des Stonethwaite Beck zurück zum Parkplatz in Rosthwaite. Die Runde war wirklich zauberhaft, die Landschaft einfach der Knaller. Total begeistert fahren wir zurück zum Hotel.

vom St. Bees Lighthouse nach Whitehaven

Am nächsten Morgen entscheiden wir uns spontan in Richtung Küste zu fahren. Uns zieht es nach Whitehaven. Dort wollen wir etwas am Hafen spazieren und Meeresluft schnuppern. Zuvor fahren wir jedoch den Leuchtturm von St. Bees an um dort etwas an den Klippen zu laufen. Obwohl es regnet entschließe ich mich kurzerhand das gesamte Küstenstück nach Whitehaven zu wandern, während mein Mann dort mit dem Auto hin fährt.

Hinter der St. Bees Foghorn Station beginnt der traumhafte Pfad entlang der Klippen von St. Bees Head. Hoch über dem Meer werden wir auf knapp 6 zauberhaften Kilometern in Richtung Whitehaven geführt. Fast auf der gesamten Strecke verläuft der Pfad direkt an der Abbruchkante der Klippen. Zum Teil sollte man für den Pfad schon schwindelfrei sein. Amy und Pluto führe ich an einigen Abschnitten vorsichtshalber an sehr kurzer Leine. Mittlerweile regnet es nicht mehr. Die Wolken hängen aber noch dicht über dem Meer.

Dann kommen die ersten Ausläufer von Whitehaven in Sicht. Wir folgen den Markierungen eines Bergbaupfades und bleiben weiter direkt an der Klippe. Der Pfad ist teilweise recht hoch mit Gras zugewachsen und stellenweise kaum auszumachen. Aber unser Blick reicht schon bis zum Förderturm und links liegt ja sowieso der Abgrund. Verlaufen geht also nicht 😉 Schließlich mündet der Trampelpfad auf einem breiten geschotterten aussichtsreichen Weg, dem wir weiter in Richtung Hafen folgen.

Oberhalb des Hafens machen wir uns an den Abstieg in die Stadt. In einem kleinen Cafe treffe ich auf meinen Mann. Wir gönnen uns ein Eis – mittlerweile scheint nämlich die Sonne – und flanieren in Richtung Hafen. Hinter den Mauern des Hafens gibt es einen kleinen Strand, an dem ich Amy und Pluto kurz zum Toben ableine. Einmal quer durch den Hafen geht es noch, dann machen wir uns auf den Weg zurück zum Hotel.

Castlerigg Steinkreis

Nach einer Mittagspause im Hotelzimmer fahren wir am späten Nachmittag noch zum Castlerigg stone circle. 38 bis zu 3 Meter hohe und 16 Tonnen schwere zumeist aus Schiefer bestehende Steine bilden einen Kreis mit knapp 70 Metern Durchmesser. Der Steinkreis ist einer der größten in England und steht unter Denkmalschutz. Kein Wunder, ist der Steinkreis doch ein Zeitzeugnis aus der Bronzezeit.

Leider ist der Steinkreis gut besucht. An der Straße stehen etliche Autos am Straßenrand. Schöner wäre es bestimmt die Szenerie in Einsamkeit zu genießen, aber man kann ja nicht alles haben 😉

Schon morgen geht es in Richtung Wales. Auf die Landschaft dort freue ich mich sehr. Ich bin gespannt was mich in den nächsten beiden Wochen noch alles erwartet. Mit gemischten Gefühlen denke ich daran, ab morgen wieder allein unterwegs zu sein.